Dritte Woche vorbei, was gibt es Neues? Wir haben Mentoren bekommen, an die wir uns mit all unseren Sorgen und Nöten wenden können. Ich hab den knuffigen Ole Rasmus, der mich gleich fragt, ob’s mir auch gut geht, wie es mir hier gefällt und mit wem oder was ich Probleme habe. Hier fehlt echt nur noch jemand, der mir mittags mein Brot streicht…
Eines der Ziele des CVI ist „Hilfe zur Selbsthilfe“: Damit man in Zukunft nicht mit jedem Stück zum Gesangslehrer springen muss, sondern selbst weiß was man ändern kann um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Klingt jetzt für den Laien recht selbstverständlich, ist es aber nicht unbedingt. Das läuft normalerweise stillschweigend nebenher, aber hier ist da ein recht starker Fokus drauf. Und Tatsachte, hilft: Bei Stücken, mit denen ich kleinere Probleme hatte, kann ich diese schon selbst beheben. Stücke, mit denen ich größere Probleme hatte… mit denen hab ich immer noch größere Probleme. Und dabei will ich doch „Defying Gravitiy“ wie Idina Menzel singen, und zwar JETZT SOFORT. Meine größte Not ist ganz offensichtlich – nicht wirklich zu meiner Überraschung – meine eigene Ungeduld. Ok, ich geb dem Kurs mal noch ein paar Wochen mehr. Und mir vielleicht auch…
Und eigentlich darf ich auch wirklich nicht meckern, Overdrive funktioniert mittlerweile und Curbing schaut auch schon ab uns zu um die Ecke und sagt Hallo.
Zusätzlich gab es diese Woche eine Anatomie-Stunde, damit auch Sänger wenigstens ansatzweise eine Ahnung haben, wie ihr Instrument eigentlich aussieht. Mit Video zum Faszinieren oder Ekeln, je nachdem wie man drauf ist. Jetzt kenn ich alle Knorpel die da rumschwirren mit Namen, allerdings nur den englischen.
Hausaufgabe: einen Kehlkopf nachbauen. Ich kann nicht mal einen Baum malen! Und wenn man nicht weiß, was mein Geflecht aus Zeitungspapier und Leukoplast darstellen soll, kann man auch wirklich nicht draufkommen. Heute durften wir unsere Werke vorführen, und Joachims Kehlkopf aus Lego ist definitiv mein Highlight! (Obwohl ganz ehrlich: Wenn ich es nicht gewusst hätte was es sein soll, wär ich auch da nicht draufgekommen).
Ansonsten zeige ich mich unintegrativ und kann immer noch kein Dänisch. Ich hatte daheim einen Kurs angefangen, der ist eigentlich auch ziemlich gut, aber der geht so unglaublich langsam voran und hat nicht allzu viele Lektionen, dass ich die Lust daran verloren hab. Normalerweise finde ich es ganz unmöglich, wenn man sich in einem anderen Land so gar nicht um die Sprache bemüht. Aber in der Schule brauche ich es nicht, und auch zu Hause gehen alle Konversationen auf Englisch, da auch Petra, die andere Untermieterin von Gunna, kein Dänisch spricht. Seit der ersten Woche hier war ich mir dann auch recht sicher, dass ich das wegen der kurzen Zeit auch nicht unbedingt lernen muss, dafür sind grad einfach nicht genug Kapazitäten frei. Und ehrlich: Schön ist Dänisch wirklich nicht. Ich kann auf einmal Chris‘ „Warum um Himmels Willen Dänisch?“ nachvollziehen.
Nur wenn ich im Supermarkt bin und nicht mal fragen kann „Wo finde ich…“ denke ich mir, dass ich mir wenigstens ein paar Basics zuzulegen könnte. Außerdem hat Gunna gemerkt dass ich immer ein schlechtes Gewissen hab, wenn sie Gäste zum Abendessen da hat und alle wegen mir ins Englische wechseln müssen. Jetzt überlegt sie öfter Leute einzuladen, um mir etwas in den Popo zu treten. Könnte glatt funktionieren.
Wenn ich dafür noch ein bisschen Zeit find. Erschreckenderweise gehen die Wochenenden nämlich immer schneller zu Ende als erwartet. Und auf einmal ist es Sonntagabend und ich hab noch nicht mal einen Blog geschrieben und auch sonst nicht alles auf meiner to do-Liste geschafft. Dabei ist mein Wochenende ja drei (!) Tage lang. Wenn das nicht schon die ersten Anzeichen künstlerischen Lotterlebens sind... Ich glaub ich bin auf dem besten Weg! ;)