http://www.youtube.com/watch?v=oOlDewpCfZQ (mit vier Akkorden kommt man schon recht weit)
http://www.youtube.com/watch?v=fSuIZ11JdUg (alle wichtigen Elemente eines Liebesliedes, immer wieder gern verwendet)
So schwer scheint es ja gar nicht zu sein, auf geht’s!
Michelle gibt eine kleine Einführung: Nein, wir müssen nicht alle bis Donnerstag ein fertiges Lied haben. Stücke schreiben ist zu einem guten Teil Intuition, aber zu einem noch größeren Teil eben auch Handwerk. Uns werden diese Woche ein paar dieser Werkzeuge in die Hand gegeben, wie man anfangen kann, was man machen kann wenn man hängen bleibt, usw. Jeder soll ein wenig damit spielen, allein oder in Gruppen, wie es einem lieber ist. Am Donnerstag wird präsentiert, an was die Woche über so gearbeitet worden ist. Das darf auch nur ein Refrain sein, oder vielleicht fehlt der Text oder die Melodie zu einem Teil. Ist alles in Ordnung. Das Konzert wird eine geschlossene Veranstaltung (nicht dem Publikum sondern uns zuliebe). Ein paar Ausnahmen sind erlaubt, der Michi kommt mich übers Wochenende besuchen und Frøydis hat ihren Freund zu Gast, die dürfen zuhören.
Wieder mal ist das wichtigste Geduld (vielleicht lern ich die ja doch noch). Oft muss man zehn Stücke schreiben, bis eines dabei ist, das man auch wirklich mag, sagt Michelle. Echt? Frøydis hat schon einige Stücke geschrieben, und mir auch schon welche vorgespielt. Ihr Stil gefällt mir unglaublich gut. (Frøydis Erås, merken, die wird irgendwann bekannt werden. Sag ich.) Ich frag sie, ob sie schon mal ein schlechtes Stück geschrieben hat. Sie lacht „Klar!“ Sowas. Darüber bin ich naiverweise doch sehr überrascht. Vor allem darüber, dass das nicht nur als kleiner Ausrutscher mal passiert.
Was mir persönlich am meisten gebracht hat: Nicht zu früh rezensieren. Ich hatte schon mal ein paar Zeilen im Kopf, die ich sogar aufgeschrieben habe, und Stunden damit verbracht, die perfekten Akkorde dafür nicht zu finden. Jetzt bekomm ich gesagt, ich soll erst mal Akkorde nehmen, die funktionieren, und dann weitermachen, verbessern kann man die nachher immer noch.
(Ach ja, übelste Methode, wenn einem echt nichts einfällt: ein Stück nehmen das es schon gibt und neuen Text und Melodie dazu machen. Und dann nachher die Akkorde wieder zu ändern, damit man nichts geklaut hat. Das wurde nur ganz am Rande erwähnt, falls einer einen Totalaussetzer hat und gar nicht weiß was er machen soll. Und hätte ich fast schon wieder vergessen, wenn ich nicht heute dieses Video heute gesehen hätte: http://www.youtube.com/watch?v=X0q1eA3cUF0
Da hat der gute Dieter wohl den letzten Schritt der Anleitung übersprungen...)
Ich hatte recht bald Akkorde für ein Stück und den Text für eine Strophe, fand aber beides ziemlich grottig. Und dann hat sich alles entwickelt, raus mit der Gitarre in die Sonne, nächste Strophe, Bridge, Akkorde geändert, immer mal wieder die Lehrer um Hilfe gebeten, den gesamten Text umgeworfen, und ganz am Schluss… nein, da steht immer noch kein großer Hit. Aber grottig ist es nicht mehr. Auch nicht unglaublich gut. Macht aber nichts, ich hab mein erstes Stück geschrieben und bin voll stolz!
Die Atmosphäre beim Konzert war ganz anders als beim letzten Mal. Alle waren viel nervöser, unsicherer, ist für fast jeden schließlich das erste Mal einen eigenen Song vor Publikum zu singen. Das ist einfach noch persönlicher als Singen eh schon ist. Und jeder war froh, dass sonst niemand zuschaut.
Faszinierenderweise hatten fast alle doch ein ganzes Stück. Und so viele tolle Ideen. Einiges durchaus mit Ohrwurm-Potential: Joachims „Memorial“ und Annes „Because of me“ sind mir drei Tage nicht aus dem Kopf gegangen. Gestern bin ich mit einer Melodie aufgewacht, und ich hab ewig lang überlegt aus welchem Radio-Hit ich die kenne, bis mir aufgefallen ist, dass sie aus Gyros „Someone else is meant for me“ war. (Textstelle aus demselben Stück: „I once tried to love a pianist, but I think guys should play guitar“. :) )
Kleines Aha-Erlebnis: Nach etwas vermehrtem Jazz-Input in den letzten Jahren, dachte ich, alle Songs mit nur 4-5 Akkorden müssten nach langweiligem Pop klingen. Gegenbeispiel liefern Frøydis und Anethe: Ihr „Who falls in love with a fox“ hat gerade mal drei Akkorde und ist eines der schönsten Lieder die ich seit langem gehört habe.
Ich bin mal gespannt, wer mit dem Songwriting weitermacht...
Die meisten Sightseeing- Highlights hab ich mir allerdings noch aufgehoben. Wer mich also besucht, bringt am besten einen guten Reiseführer mit. Und erzählt mir was drinsteht. Aber jetzt kann ich die Marmorkirche, den Königsplatz und die kleine Meerjungfrau auf meiner Checkliste abhaken. Und ich muss sagen: Die Meerjungfrau hatte ich etwas größer erwartet. Wir haben ewig in der Ferne gespäht, bis wir gemerkt haben, dass wir schon fast davor stehen.
Michi war nicht nur wegen mir hier (aber hauptsächlich natürlich!), sondern auch wegen einer Geburtstagsfeier am Samstag. Da hätte ich gleich Anschluss an viele nette Dänen gehabt, und vielleicht werd ich da noch drauf zurückkommen. Allerdings werd ich in letzter Zeit immer asozialer. Am Wochenende bin ich immer recht froh, wenn ich mich etwas in meinem Zimmer verschanzen kann. Man muss allerdings sagen, dass sogar der recht gesellschaftsfreudige Michi nach dem Konzert mit vorangegangenem Buffet mit dem ganzen wuseligen Kurs doch ganz gut nachvollziehen konnte, warum ich am Wochenende meine Ruhe brauch. Alles liebe Menschen, aber so viele davon...
Diese Woche hab ich frei, und nachdem alle anderen nach Hause fahren, hab ich fast auch schon ein kleines bisschen Heimweh bekommen. Daraufhin wollte ich am Montag ganz wunderbar heimatlich aufkochen, Spargel und Kartoffeln. Ach, Banausen, sag ich euch… Der Gunna waren die Spargel zu zerkocht, Petra isst generell keine Kartoffeln, weil sie meint, dass die giftig seien (auch in gekochtem Zustand), und dass man über das Ganze zerlassene Butter geben kann, fanden beide so abartig, dass es keiner auch nur versucht hat. Lediglich der provisorische Salat fand Anklang. Erst war ich fast ein bisschen beleidigt. Aber nach den ersten Löffeln Kartoffeln mit Butter und Salz hab ich mich so daheim gefühlt, dass die Endorphine nur so getanzt haben. Fast wie Heim fahren.
Und am Freitag kommt mich die Christine besuchen. Kleine Allgäu-Vereinigung in Kopenhagen. Ich freu mich auf Ostern! :)