Montag, 21. Mai 2012

And I'm gonna praise you!


Kommt ja gar kein Blogeintrag mehr, ist die Nina etwa schon wieder daheim? Nein, aber bald! Diese Woche ist meine letzte Woche hier in Dänemark, am Donnerstag ist Abschlusskonzert und am Sonntag geht’s zurück ins Allgäu.
Meine Wochenenden sind in letzter Zeit einfach so kurz! Wir hatten jetzt mehrmals Nachholunterricht am Freitag, weil Lehrer ausgefallen waren, da fehl gleich ein Tag. Und natürlich werden jetzt alle ganz nostalgisch: Im letzten Monat wurde die Dichte an Konzerten, Partys oder einfach gemütlichen Runden zusammen deutlich höher. Und wenn man dann erst beim Zwitschern der Vögel nach Hause kommt, fehlt dann einfach nochmal ein Tag.

Einer dieser Partyabende endete etwas überraschend. Wir waren im Rosie McGee’s, einer Bar, die damit wirbt die einzige in Kopenhagen mit zwei Tanzflächen zu sein. Die zweite haben wir nicht gesehen, vielleicht war sie in einem anderen Stockwerk, aber die, die da war, hatte maximal die Größe meines Wohnzimmers am Partnachplatz, und ich wünschte das wäre Untertreibung, aber nein. Noch dazu tummelte sich dort ein unglaublich lustiges Volk: In München bin ich gewohnt, dass alle tanzenden Leute so um die 15 sind, im Rosie McGee‘s waren alle um die 50, mit einem Tanzstil, den eine Freundin als „ohne jegliches Gefühl für Raum und Zeit“ treffend beschrieben hat. Ich bin ja durchaus auch dafür, dass man sich nicht zwingend in seiner tänzerischen Freiheit einschränken lassen muss indem man sich dem Rhythmus eines Liedes unterwirft. Aber wenn man die tänzerische Freiheit aller anderen beschneidet, auf einer Tanzfläche auf die eh maximal 25 Leute passen, wenn sie platzsparend tanzen, dann wird’s schon langsam abenteuerlich.
Davon haben wir uns aber nicht abhalten lassen, haben uns eine Ecke außerhalb der Tanzfläche gesucht und dort getanzt. Da waren auch nur wir, was den Vorteil hatte, dass man ohne seine Handtasche tanzen kann und sie trotzdem im Blick hat.
Irgendwann ist die erste gegangen und ich bin kurz mit raus, frische Luft schnappen. Als ich wieder rein wollte, hat die gute Dame an der Kasse gemeint ich müsse nochmal Eintritt zahlen, steht so auf der Eintrittskarte. Was? Tatsache, steht drauf. Ok, das ist die dämlichste Regelung die ich je gehört habe. Aber es ist mittlerweile 3Uhr, und ich hätt jetzt auch kein Problem damit Heim zu gehen, ich muss nur meine Jacke drinnen holen. Ne, auch die krieg ich nur wenn ich nochmal Eintritt zahl. Was??? Ich glaub ich spinn. Ernsthaft? Die Dame lässt sich auf keine Diskussion ein und verweist nur wieder drauf, dass das ja auch auf dem Ticket steht, und auf dem Schild bei der Kasse (ein DIN A4-Schild komplett voll mit Text, ich frag mich ob das je jemand gelesen hat. Außer leider offensichtlich die Kassendame.) Als eine Freundin versucht mich wieder rein zu bekommen, schmeißen sie die komplett raus. Jetzt stehen wir beide draußen, Jacken, Taschen, Geld, Handy, Schlüssel drinnen, können nicht gehen und dürfen nicht rein. Die Kassendame fragt mich wie lang ich noch gedenke am Eingang rum zu lümmlen. Ich brauch meine Jacke. Ob ich nicht meine Freunde anrufen kann, dass die mir meine Jacke bringen können. Mein Handy ist drin!!! Wir verzweifeln an uns gegenseitig... Ein Glück, dass die anderen uns bald nachkommen und uns unsere Sachen bringen.
Am nächsten Tag frag ich Gunna, ob das legal sein kann. Nein, sagt sie, ist es nicht. Und was mach ich jetzt? Nichts, sie sei im „Committee for the local pubs“, sie regelt das. Oh, ein kleines diabolisches Grinsen auf meinem Gesicht…

Letzten Samstag waren wir wieder aus, in einem Club namens Nightfever, in dem die dazu passende Musik gespielt wurde. Die Tanzfläche war so klebrig, dass ich Angst hatte meine Schuhe zu verlieren. Oh, die Kopenhagener Partyszene…


Gunna hat mir Freikarten für den Tivoli Park organisiert, das ist ein großer wunderschöner Freizeitpark mitten in Kopenhagen. Am Montag hatte sie die Karten dabei, am Mittwoch würden sie verfallen. Und am Dienstag fiel unser Nachmittagsunterricht aus...



  Wunderschönstes Wetter, Süßkram, Seifenblasen, was will man mehr?

Nur Party die letzten Wochen? Weit gefehlt…

Erst mal wurden wir Zeuge, wie jung die Forschungen des CVIs noch sind. Die Schule gibt es erst seit etwa 10 Jahren, in älteren Büchern gibt es nur 3 Modes, der Twang kam auch erst später dazu, und in eine neue Neuerkenntnis wurden wir vor drei Wochen eingeweiht. Das interessiert jetzt nur die Daniela und die Sonja, aber ich schreib‘s trotzdem, für euch beide:
Erst mal gibt es in Neutral knapp vor dem Übergang in die jeweiligen metallischen Modes ein Curbing-like Neutral, ein Edge-like Neutral und ein Overdrive-like Neutral. Klingt fast genauso wie die metallischen Pendants, nur weniger laut und man braucht weit weniger Stützkraft. In fact, das wird recht gern bei Musicals verwendet, und jetzt wo ich weiß, dass ich mich mit meinem Neutral durch Musicals schummeln kann, schöpfe ich neue Hoffnung… :)
Außerdem gibt es die metallischen Modes auch in einer Medium-Version, d.h. Overdrive gibt’s auch in einer Lautstärke unter 8.
Diese beiden Tatsachen erklären die Übergänge zwischen Modes weitaus besser, das war mir doch schon immer suspekt, dass man, wenn man von Overdrive nach Neutral, angeblich durch Curbing muss. Eben nicht!
Das fand ich echt spannend, und wollt mich gleich als Versuchskanninchen für neue Untersuchungen bereitstellen, aber der nächste Termin liegt noch in der Ferne…

Auch interessant: Thema Intonation und Tontaubheit. Die Lehrer hier sagen einem nie wenn man falsch intoniert. Das CVI sagt, dass schlechte Intonation daran liegt, dass Leute verspannen wenn sie singen, und das wird im Normalfall nicht besser, wenn man ihnen dann auch noch sagt, dass sie falsch singen. Die korrekte Intonation wird sich von selbst einstellen, sobald die Technik sitzt und der Sänger ohne Verspannungen singt und im richtigen Maß stützt.
Ganz ehrlich: Da war ich ziemlich überzeugt davon, dass das ein rechter Blödsinn ist. Wenn er’s halt einfach nicht hört, wird das doch nicht besser wenn keiner was sagt. Aber wir haben genau in unserem Kurs den Beweis dieser Aussage. Der junge Mann hat am Anfang meist deutlich danebengelegen, und ich hab mich echt gefragt wie das denn von selber besser werden kann, wenn ihn nie einer drauf hinweist. Aber er ist unglaublich fleißig, übt viel, und hat echt große Fortschritte gemacht. Mittlerweile hauen ihm nur noch ein paar Töne ab, und auch nur minimal. Wenn der dran bleibt, dann ist auch das bald kein Thema mehr. 

Wir hatte einen Tag "Creative Cover", Songs covern und dabei eine eigene Version draus machen. Oh Gott, das hätten wir gern öfter haben können. Dafür hätt ich liebend gern auf ein paar Rhythmusstunden verzichtet.. Wunderschönes Beispiel hier: I’m sexy and I know it von LMFAO
Der Youtube-Link zum Original geht natürlich in Deutschland nicht, da hat die GEMA was dagegen (die dänische KODA regelt das irgendwie intelligenter, das muss ich noch ausnutzen solange ich da bin…) Aber ich hab diesen Werbespot gefunden, da kommt das Lied am Ende:
http://www.youtube.com/watch?v=IbbLCvUtHGo
Und hier das Cover:
http://www.youtube.com/watch?v=vsvlsuLau5c

Zum Rappen wurden wir auch verdonnert. Da haben ein paar doch mehr Talent gezeigt als sie selbst erwartet hatten. Ich nicht. :)
Und - Trommelwirbel! – ich hab zum ersten Mal freiwillig in einem Konzert improvisiert. War nicht die kunstvollste Impro aller Zeiten, aber ich muss sagen, auch nicht die schlechteste, die ich je der Öffentlichkeit angetan habe.
Und ich habe einen Rock-Song auf einer Bühne gesungen, das war sogar „richtig“ öffentlich, nicht in der sicheren kleinen Seifenblase unserer Schule, sondern in einer Bar in Kopenhagen, hat ein Lehrer organisiert. Das wird definitiv nicht meine Richtung werden, aber es war doch ein saumäßiger Spaß!

Außerdem hatten wir eine unglaublich tolle Session zum Thema Selbstbewusstsein.
Wir sollten uns aufschreiben, was wir uns selbst ab und zu an den Kopf werfen. Danach sollten wir unserem Nachbarn diese Sätze an den Kopf werfen. Das hatte unterschiedliche Wirkungen. Manche fanden ihre eigenen Sätze total lächerlich, wenn sie laut ausgesprochen werden. Andere dachten sich, das kann ich doch nicht wirklich laut zu jemandem sagen und haben gemerkt wie gemein sie eigentlich zu sich selbst sind. Dann gab’s natürlich erst mal ein generelles Verbot für jegliche bösartigen Worte gegen sich selbst. Und stattdessen bekamen wir die Hausaufgabe uns dreimal täglich zu loben.
Daran hatte ich an mir aber schon mal gearbeitet, mein sonniges Gemüt kommt nicht von ungefähr. Allerdings nicht im Bezug auf meinen Gesang, da kann ich definitiv etwas freundlicher zu mir selbst sein. Ich bin durchaus für ein Mindestmaß an gesunder Selbstkritik, aber das artet doch gern auch in komplette Selbst-Demotivation aus.
Auch kurz vor Auftritten verfällt man ganz gern in das Schema sich vorzustellen was alles schief laufen kann. Und wenn man von vornherein Angst vor diesem einen Ton hat, kann der nicht gut klingen. Jetzt hat jeder von uns ein wunderschönes Performance-Triangle, mal schauen ob’s am Donnerstag was bringt…
Und auch generell, kleine Mantras für Tage an denen einfach nichts läuft, oder einfach nur ein zwei nette Sätze am Badezimmerspiegel für jeden Morgen, ich glaub das ist immer eine gute Idee. Und was könnte mein Mantra anderes sein als „I’m sexy and I know it“ ;)
Ich glaub, dass die uns hier langsam aufs „richtige Leben“ vorbereiten wollen, wo uns nicht immer jemand sagen wird wie toll wir sind. Muss man das eben selber tun!

Praise yourself!