Montag, 30. April 2012

Make it happen

Seit den Osterferien dürfen wir auch Effekte lernen, die so schöne Namen wie Distortion, Rattle oder Growl tragen. Aber so lange meine Basics noch nicht sauber sitzen, fühl ich mich mit denen noch etwas arg überfordert. Klingt bei mir alles gleich. Und wenn man danach hustet, macht man was falsch. Und ich hust so ziemlich immer danach. Ein Glück, dass ich sowohl im Jazz als auch bei Musicals ganz gut ohne die auskomm.
Umso angenehmer, dass diesmal ein Effekt dran kam, der mir wohl bekannt war: Vibrato. Allerdings taucht meines immer auf, wo es will. Das hat mich nie gestört, weil die Stellen, die das Vibrato sich aussucht, auch die Stellen sind, die ich mir ausgesucht hätte. Aber man kann sein Vibrato wohl auch bewusst einsetzen. Als mir das zum ersten Mal gelungen ist, war ich ganz aus dem Häuschen. Einen Teil unter Kontrolle zu haben, den ich noch nie unter Kontrolle hatte, der eigentlich immer sein eigenes Ding macht... das fand ich fast ungeheuerlich! Aber ich scheine die Einzige zu sein, der dieses Erlebnis einen Höhenflug beschert hat.

Da aber die meisten Effekte doch schon ein gewisses Maß an Sicherheit voraussetzen ("advanced stuff"), schreib ich grad brav alles mit und nehm mir die für wann anders vor, wenn meine Technik etwas gefestigter ist.
Hoppla, aber im letzten Blog hab ich doch geschrieben, dass ich jetzt mit der Luft fertig werd. Erstens: Ja... Meistens. Nicht immer. Sicher ist anders. Zweitens: Ich wünschte das wär das einzige Problem...
Man muss hauptsächlich an drei Dinge denken, um sicher im Zentrum des Modes zu sein: richtige Lautstärke, richtiger Vokal, genug Stütze. Drei Sachen. Und irgendwas davon vergess ich immer und wunder mich dann, wenn nichts so klappt wie ich will. Beruhigenderweise fällt mir aber auf, dass ich nicht die Einzige bin, für die dieses Multitasking eine Herausforderung darstellt. 

Unter anderem haben wir auch ein Fach namens "Vocal Groups". Darüber hatte ich noch nie geschrieben, weil ich es bis jetzt nicht sonderlich spannend fand. Chor-Singen für Einsteiger. Bestimmt sehr interessant für die, die noch nie in einem Chor waren, aber nichts Neues für Leute mit Ensemble-Erfahrung. Dachte ich.
Diese Woche hatten wir nämlich in der Tat eine sehr unterhaltsame Aufgabe: Wir wurden in Dreiergruppen aufgeteilt, Sopran-Alt-Tenor einzeln besetzt, und waren „Backgroundsänger für Mariah Carey“. Wir bekamen eine CD, Noten und Text, wobei die Text-Form anders war als auf der CD, die der Noten wieder anders, und CD und Noten passen auch nicht zusammen, nicht mal die Tonart. Und jetzt zaubert mal den Background-Chor für dieses Lied! Als wir nach längerem tüfteln endlich einmal durch waren, die nächste kleine Fiesheit: Die Diva hat sich umentschieden, selbes Lied, neues Arrangement, neue CD. Julie grinst, „just like in real life“. Doch, das war definitv ein sehr großer Spaß. Vielleicht sollte ich Background-Sängerin werden? :)

Ja, langsam darf auch ich mir konkretere Gedanken machen, wie es danach weitergeht. Wir hatten schon einige ernüchternde Momente. Michelle, die uns klipp und klar sagt, dass wir sehr wahrscheinlich mit Musik noch eine ganze Weile kein Geld verdienen werden. Ein Musical Coach aus dem Lehrerkurs, der mir ein bisschen die Realität vor Augen geführt hat. Keine neuen Erkenntnisse, nur Wahrheiten, vor denen man sich hier in dieser kleinen rosaroten Oase ganz gut etwas verstecken kann.

Am Donnerstag war James Taylor hier in Kopenhagen. Und ich kleiner Glückspilz hab kurz vor Konzert-Beginn noch eine Karte bekommen (und bin vor lauter Freude erst mal 10 Minuten rumgehüpft wie ein Flummi). Wer den nicht kennt, unbedingt reinhören: http://www.youtube.com/watch?v=78O6--THTF0
Wenn ich seine Musik höre, wird die Welt ein Stück sonniger, und ich bin mir sicher, dass alles gut wird.