Sonntag, 15. April 2012

Behind the Scenes

Ostern ist hier nicht ganz so ein Riesending wie in Deutschland. Man trifft sich mit der Familie und isst unglaublich viel und versteckt Eier für die Kinder, wie bei uns. Aber Schoko-Eier gibt’s im Vergleich zu daheim im Supermarkt nur in homöopathischen Dosen, und Hasen hab ich keinen einzigen gesehen, nicht mal im Candy Mega Store (der heißt echt so). Noch dazu werden solche Feiertage in dem Haushalt, in dem ich lebe, offensichtlich eher generell ignoriert. Das mag am Kommerz, an den christlichen Wurzeln oder an beidem zusammen liegen. Wenn Christine nicht da gewesen wäre, hätte ich nicht mal gemerkt, dass Ostern ist. Aber sie war da, was zur Folge hatte, dass ich jetzt tatsächlich auch mal ein Museum von innen gesehen hab! Und mit einem schönen Osterfrühstück haben wir es auch so geschafft den Geist des Osterhasen ein wenig heraufzubeschwören.

Nach meiner letzten Erfahrung traditionell süddeutsche Speisen aufzutischen, waren wir uns nicht recht sicher ob Käsespätzle eine allzu gute Idee sind. Also haben wir die Grundidee etwas abgewandelt und uns an einer „Käsespätzle meets Öko-Kiste“-Variation versucht, und daraus wurde ein ziemlich leckerer (und da es in diesem Haushalt keine Gemüsebrühe gibt und somit die Würzung durch Chili aufgepeppt wurde auch ziemlich pikanter) Gemüse-Spätzle-Auflauf, der sogar hier Anklang gefunden hat. Einen lieben Dank an die Christine und eine große Weiterempfehlung an all euch da draußen: Spätzle rule!


So, jetzt ist Halbzeit, und ich hab das Gefühl ich könnte vielleicht etwas mehr ins Detail gehen, worum es hier am CVI überhaupt geht. Ich schmeiße die ganze Zeit mit meinen Mode-Begriffen um mich, aber vielleicht sollte ich doch mal etwas weiter ausholen.
Kleine Abkürzungserklärung vorneweg: CVT = Complete Vocal Technique = die Technik selbst, CVI = Complete Vocal Institute = die Schule in Kopenhagen, an der ich grad bin. FMZ = Freies Musikzentrum, das war vorher, PhD = hat nichts mit mir zu tun.

Die Technik, die hier gelehrt wird, ist nicht komplett anders als alles andere. Die Leute die hier singen, klingen nicht anders als andere Sänger. Die Modes (Neutral, Curbing, Overdrive, Edge), die ich in einem der ersten Blogs einfach mal in den Raum geworfen habe, sind lediglich Begriffe, mit denen man die Stimme leichter kategorisieren kann. (Sozusagen Brust- und Kopfstimme im Fine Tuning. Und eigentlich ganz anders.) So singen Menschen schon lange, Cathrine Sandolin, die Gründerin der Schule und der Technik, versucht nur das, was da genau vor sich geht in Worte zu fassen, um es anschaulicher zu machen. (Hier hab ich ein Interview mit Cathrine Sandolin gefunden.)
Wenn ich jetzt Anastasia höre, denke ich „Aha, Edge in tieferer Lage“. Das denkt sich Anastasia wahrscheinlich nicht, die singt einfach wie es ihr am natürlichsten liegt. Aber ich wüsste jetzt wie ich üben müsste, wenn ich so ähnlich klingen wollte. Da Edge aber ungefähr das genaue Gegenteil ist von dem, was mir am natürlichsten liegt, werd ich mich da wahrscheinlich nie allzu daheim fühlen, daheim bleibt Neutral. Aber man kann ja mal einen Ausflug machen, andere Ecken sollen auch schön sein.

Ich werd also danach nicht komplett anders klingen. Aber hoffentlich endlich lauter singen können ohne Halsschmerzen zu bekommen, das ist mein Hauptziel gerade („NAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAANTS INGONYAMA…“, ihr wisst schon). Andere haben andere Probleme, ungewollte Stimmbrüche, alles klingt gepresst, manche können nur laut singen. Jedem sein eigenes Problemchen. Luft wegbekommen ist ein hartnäckiges. Ach, leichte Probleme sind für Anfänger. :)
Generell bekomme ich gerade einen besseren Einblick was passiert wenn man singt, was schief geht wenn es weh tut oder nicht so funktioniert wie man will und wie man daran arbeiten kann.
Und nebenbei hab ich schon unglaublich viele andere nette Dinge gelernt. Über Improvistation, Interpretation,

Letzte Woche hatten wir unter anderem das Thema „klassischer Gesang“, für viele hier komplettes Neuland. Nicht, dass ein Tag reichen würde, um diesen Stil zu lernen, aber wir sollten eine Ahnung bekommen, auf was man bei dieser Richtung alles achten muss, und vor allem auch sehen, was ein klassischer Sänger alles leisten muss: die Stützkraft um die Lautstärke zu erzeugen, der gleichmäßige Klang, bei dem kein Ton rausfallen darf, Übergänge zwischen den Modes dürfen nicht hörbar sein. Ja, auch klassischer Gesang lässt sich mit den Modes beschreiben, Harmonie all überall, nicht die E-Musiker gegen die U-Musiker, alles wird hier vereint. Wobei auch die hiesigen Lehrer zugeben, dass man, wenn man sein Hauptgewicht auf Klassik legen will, sich doch besser auch einen Lehrer aus dem Bereich sucht: das ist nochmal eine ganze Welt an Regeln.
Im klassischen Gesang herrscht ein recht striktes Klangideal, so dass die Modes nur in ganz bestimmten Einstellungen verwendet werden dürfen: keine Luft, mehr oder minder ausgeprägtes Vibrato, sonst keine Effekte, Vokalausgleich, dunkle Klangfarbe (natürlich gibt es auch da Abstufungen, aber im Vergleich zur U-Musik würde man alle als verhältnismäßig dunkel bezeichnen). Alles was diesem Klangideal nicht dienlich ist, wird oft als falsch oder schädlich angesehen.
Das ist so nicht richtig, da viel zu viele Rocksänger schon längst am Ende ihrer Stimme sein müssten, wenn ihre Art zu singen ungesund wäre. Dass viele von ihnen aber schon eine lange Karriere hinter sich haben und immer noch singen, zeigt, dass auch nicht-klassischer Gesang auf eine gesunde Weise produziert werden kann. Die Stimmbänder von denen sind nämlich auch nicht aus anderem Material als die unsrigen, alles Technik. Klar kann man‘s auch falsch machen, daher kommen die Stimmbandknötchen. Aber dagegen sind auch Klassiker nicht gefeit.
Allerdings wird eben klassische Gesangstechnik schon lange unterrichtet und kann auf viel Wissen und Erfahrung zurückgreifen. Und grad im technischen Unterricht hinkt da die U-Musik noch gut hinterher. (U-Musik ist so ein blödes Wort! Im Englischen wird in „classical“ und „rhythmical“ unterschieden, das klingt besser, ist aber auch nicht intelligenter. Als ob klassische Musik unrhythmisch wäre.) Natürlich gibt es auch in dem Bereich gute Lehrer, aber alles ist noch sehr in der Entwicklung, da gibt es noch keinen großen Wissensfundus, noch keine lange Geschichte auf die man zurückgreifen kann. Auch das CVT-Buch wird regelmäßig abgeändert, wenn neue Erkenntnisse neue Einblicke geben.

Wichtigste Grundregel bleibt immer: If it feels wrong, it is wrong. Eigentlich muss man immer nur drauf achten, dass es nie weh tut.
(Und Geduld haben. Und genug schlafen. Das sind nicht gerade meine Stärken...)

Wichtig ist auch seine Blog-Einträge so zu schreiben, dass sie auch wenigstens ein gewisser Prozentsatz bis zum Ende durchliest. Weiß ich nicht, ob mir das diesmal gelungen ist. Aber ich wollte einen etwas ausführlicheren Überblick über die Technik an sich geben, nachdem ich sonst immer nur einzelne Fetzen in den Raum werfe. Wobei meine Erklärungen ja gern eher weniger zum Klarheit bringen beitragen.

Die Verwirrung ist ganz meinerseits, Fortsetzung folgt...