Sonntag, 25. März 2012

Summer calling

So, alles wieder wunderbar, der Husten ist weg, Üben kann ich auch endlich wieder, und laufen war ich dieses Wochenende auch. Überhaupt scheint die Sonne, der Sommer ist da und das Leben ist schön. Wir haben ein kleines windstilles Eckchen im Hof, und wenn man sich da in die Sonne legt, kann man richtig schön brutzeln. Hab ich heut den halben Tag gemacht. Dann wurd’s mir zu heiß. Dänemark ist nämlich gar nicht so kalt.

Am Montag hatten wir passenderweise eine Stunde zum Thema „Heiserkeit“, was vielen im Kurs recht gelegen kam. Ich war nicht die Einzige mit zwischenzeitlichem Ausfall, Sänger werden ja immer sofort halskrank. Da fängt einer an und die anderen folgen wie die Lemminge. Ich war Vorreiter-Lemming, glaub ich.
Was haben wir gelernt? Wenn man heiser ist, ist schonen nie verkehrt. Wichtig: nicht flüstern, das macht es noch schlimmer. Wusst ich schon. Was mir neu war: Es kann auch sein, dass die Stimme (noch) gar nicht sonderlich überanstrengt ist, sondern stattdessen die Constrictor Muskeln (zu Deutsch eigentlich Schlundschnürer, aber das Wort find ich grauslig) nur grad anfangen zuzugreifen. Das machen sie, um die Stimmbänder zu schützen, weil man gerade irgendwas Unvernünftiges mit ihnen macht (z.B. mein Favorit: zu laut mit Luft). Wenn man grad nur eine halbe Stunde geübt hat und auf einmal heiser ist, dann ist das recht wahrscheinlich der Grund. Weil man selbst mit großem Humbug seine Stimmbänder in der kurzen Zeit nicht so verschleißen kann, dass was kaputt ist. Die stecken recht viel weg. Genau so ging’s mir am Montag: Da war meine Stimme eigentlich wieder recht normal, ich hab in der Mittagspause ein paar Mal ein Stück geübt, und auf einmal klang ich wie ein Reibeisen. Da kommt Kaare, singt mir was vor, ich sing’s etwa 10x nach, und die Heiserkeit ist weg. Wahnsinn. Kaare hat mich einfach etwas machen lassen, was garantiert unschädlich ist, damit die Constrictor Muskeln wieder locker lassen.
Blöd ist: Leider hab ich das noch nicht allein wiederholen können.

Das ist hier etwas verflixt: Wenn der Lehrer nebendran steht, klappt auf einmal alles, und man denkt, man hat die große Erleuchtung, weil Dinge funktionieren, die noch nie funktioniert haben. Aber allein im stillen Kämmerlein ist es dann wieder weg. Dabei lassen einen die Lehrer alles ein paar Mal wiederholen und beschreiben, was man grad gemacht hat, damit man sich bewusst wird was man gerade anders macht als sonst und es reproduzieren kann. Und doch klappt’s allein dann wieder nur halb so gut.
Das sei wohl aber auch normal. Im Unterricht bekommt man gezeigt, wie man dahin kommt wo man hin will. Aber den Weg muss man jedes Mal wieder gehen, und da lässt man gern ein paar Schritte aus. Wird aber doch langsam besser, jedes Mal bleibt ein bisschen mehr hängen.

Am Freitag hatten wir unser erstes Konzert! Da ich mit im Organisations-Team war (yes, my german genes) und im Vorfeld ein paar Sachen nicht ganz glatt gelaufen waren (zu wenig Proben, ein paar unkoordinierte Absprachen), war ich mir ein paar Tage zuvor sicher: Es wird das furchtbarste Konzert werden, das es jemals am CVI gab, und daran werde allein ich schuld sein. Das mit dem selber nicht so unter Druck setzen, da könnte man noch bissl dran arbeiten… Anne leistete gute Arbeit mich abzuregen und mir verbal ein bisschen auf den Hinterkopf zu hauen, so dass ich am Freitag selbst wieder recht gelassen war.
Und natürlich war das Konzert auch kein bisschen furchtbar, sondern ein ziemlich großer Spaß! Es ist alles glatt gelaufen, und sogar die Rolle als Moderator (zusammen mit unserer lauten Finnin) hat mir recht gut getaugt. Mit Promis im Publikum: Cathrine Sandolin (die Gründerin der Schule) war da und meine Gunna (noch nicht erzählt: ehemalige Bürgermeisterin von Kopenhagen) saß in der ersten Reihe.

Nächste Woche ist Songwriting dran, da haben zur Abwechslung beide Gruppen zusammen Unterricht. Und am Donnerstag ist auch schon das nächste Konzert, mit den von uns während der Woche produzierten Stücken. Das will mir noch nicht ganz in den Kopf, dass jeder von uns innerhalb der nächsten vier Tage wirklich ein Lied schreiben wird, das aufgeführt werden kann. Ich bin gespannt…

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