Letzte Woche war etwas frustrierend. Aber so eine Woche muss ja auch mal drin sein…
Erst mal hat mein Husten laut „Ich bin gekommen um zu bleiben“ gesungen, woraufhin ich eher weniger gesungen habe. Und er wurde sogar recht penetrant, bis ich vom vielen husten sogar heiser geworden bin. Am Wochenende hab ich zwei Schweigetage eingelegt, (sinnigerweise gefolgt von einer Party am Samstag). Danach war nicht alles perfekt, aber schon ein bisschen besser. (Ich dachte ich fang diesmal damit an, bevor’s der Doktor verschreibt.)
Außerdem hatten wir diese Woche einen neuen Pianisten, der spielt nicht nur Klavier, sondern auch Gitarre, beides unglaublich gut, improvisiert nebenbei zweite Stimmen und nimmt am Ironman teil. Und hat Geheimratsecken. Als er dann in einer Pause auch noch angefangen hat eines meiner Lieblingslieder von Sting zu spielen war’s ganz um mich geschehen und ich hab ihm spontan einen Heiratsantrag gemacht. Ich glaub er hat mich nicht ganz ernst genommen, jedenfalls hätt ich da schon eine etwas andere Reaktion erwartet…
Ernsthaft schade fand ich allerdings wirklich, dass Kristine, meine liebe Norwegerin, aus dem Kurs ausgestiegen ist. Keine dramatischen Gründe, war nur grad nicht ganz das Richtige zum auch noch falschen Zeitpunkt. Ich konnt’s nachvollziehen, aber da war ich doch etwas traurig. Aber schon hab ich einen guten Grund bald mal in Oslo vorbeizuschauen!
Noch dazu hat mir meine Lehrerin am Donnerstag geraten, ich solle doch erst mal noch ein bisschen bei den Basics bleiben, Modes auf Einzeltönen, langsam erweitern, nicht schon alles in Stücke packen. Ich glaub sie hat mir angesehen, wie mir in dem Moment erst mal das Gesicht runtergefallen ist, und hat mich daraufhin auch gleich ganz lieb etwas aufgebaut. Witzig ist, dass ich mir schon die ganze Zeit gedacht hatte, dass ich das eigentlich am liebsten erst in Reinform beherrschen würde, bevor ich alles in Liedern anwende. Aber das macht sonst keiner, deswegen hatte ich das wieder verworfen. Und jetzt bekomme ich genau diesen Tipp. Na dann, back to basics. Wenigstens scheint mein Bauchgefühl was auf dem Kasten zu haben.
Und ich musste die Erfahrung machen: Sich selbst den Pony schneiden, ist eine Kunst, die ich noch nicht beherrsche…
Es gab aber auch durchaus Erfreuliches: Ebenfalls am Donnerstag hatten wir die beste Impro-Stunde, die ich je in meinem Leben hatte!
Bis jetzt fand ich die Rhythm & Impro Stunden maximal ganz nett, ganz okay aber nicht unter meinen Favoriten. Alles was zeitgleich mit Klatschen stattfindet (außer vielleicht Grundrhythmus stampfen) übersteigt mein Multitasking gnadenlos. Ich kann nicht mal singen und richtig im Takt dazu klatschen, eines davon geht immer schief. Und 16tel klatschen geht nicht mal allein. Impro-Tipps hab ich alle schon mal gehört, Grundtöne singen, Pentatonik, Phrasen üben... Ich mag fast behaupten, dass ich das fundierteste Theoriewissen aus unserem Kurs habe. Bringt mir aber grad wenig, außer dass eine leise Stimme in meinem Kopf Druck mach und sagt „Ich sollte das eigentlich können“, woraufhin eine andere antwortet „ich HASSE improvisieren!“. (Und jetzt singt auch noch der Husten dazu, ich sag euch, in meinem Kopf geht’s zu…)
Diesmal hatten wir zum ersten Mal Niels in Improvisation, und der ging das Ganze weitaus praxisbezogener an. Alle ums Klavier und los geht’s. Mit kleinen Aufgaben, die uns das rein finden erleichtern. Eine davon war zum Beispiel mal bewusst einen so falschen Ton wie nur möglich singen und auf dem zu beharren. Und dann schauen wie man ihn auflösen kann. Klingt ziemlich oft ziemlich cool. Das war ein bisschen um uns die Angst vor falschen Tönen zu vertreiben, die bei mir doch recht tief sitzt. Mein ganz großer Favorit war auf Text improvisieren. Niels hat auf dem Klavier die Changes zu „My favourite things“ gespielt, und wir sollten darüber improvisierend erzählen, was denn unsere favourite things sind. Der eine schwärmt exzessiv von seinem Frühstück und vor allem KAFFEE, andere vom Lesen oder Laufen und wieder andere geben einfach zu, dass sie gern Sex haben. Kleine Erleuchtung: Stimmt, hat was. Ok, wirkliche Erleuchtung: Auf Text improvisieren fällt mir um vieles einfacher! Weil man vor lauter erzählen nicht so angestrengt an die Töne denkt, und da entwickeln sich manchmal ganz von selber tolle Sachen. Ging nicht jedem so, aber ich fands super. Zudem geht Niels ab wie Ray Charles und versprüht eine Energie, dass man gar nicht anders kann als begeistert mitzumachen. An diesem Abend bin ich Heim und hab einfach zum Spaß zu Playbacks weiterimprovisiert. Das ist mir noch nie passiert!
Seit Mittwoch hab ich auch eine Bücherei-Karte, und fühl mich schon gleich viel Dänischer! Obwohl ich immer noch kein Dänisch kann, aber vielleicht ändert sich das dank dem ausgeliehenen „Ratatoulli“ ja noch. Und die haben ein Noten-Sortiment, der Wahnsinn! Da fragt man sich doch glatt, warum man 10kg Noten mitgenommen hat…
Jetzt werd ich noch Inhalieren und den letzten Hustenrest bekämpfen, schließlich ist am Freitag Konzert.
Haben wir heute gelernt: Nach dem Inhalieren 30 Minuten nicht sprechen, 4 Stunden nicht singen. Macht man nichts kaputt, wenn man sich nicht dran hält, aber hilft wohl noch mehr, weil die ätherischen Öle besser wirken können und nicht gleich wieder weggeschüttlet werden. Again what learned!
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